Safer Sex: Vorsicht ist besser als Nachsicht

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Warum Safer Sex wichtig ist

Safer Sex: Vorsicht ist besser als Nachsicht, Was ist Safer Sex?

Safer Sex konnte sich im Rahmen der in den 1980er Jahren aufkeimenden Debatte um HIV etablieren und meint eine Gesamtheit verschiedenster Vorsichtsmaßnahmen und Verhaltensregeln, welche das Risiko, sich mit sexuell übertragbaren Krankheiten anzustecken, absenken soll.

Die Bezeichnung „Safer“ soll hierbei darauf verweisen, dass es keinen hundertprozentig sicheren („safe“) Sex gibt, da ein gewisses Restrisiko bei jedem Sexualkontakt bestehen bleibt. Die Einhaltung der wichtigsten Safer-Sex-Regeln kann dieses Risiko jedoch erheblich absenken. Diese sehen vor, dass beim Geschlechtsverkehr verhindert wird, dass keine infektiösen Körperflüssigkeiten des einen Partners in den Körper des anderen gelangen und umgekehrt.

Darüber hinaus schützt Safer Sex wirksam vor einer ungewollten Schwangerschaft.

Welche Körperflüssigkeiten sind infektiös?

Beim Safer Sex soll der Austausch potentiell infektiöser Körperflüssigkeiten verhindert werden. Diese Flüssigkeiten können Krankheitserreger – etwa Bakterien oder Viren – enthalten, welche beim Partner ernsthafte bzw. lebensbedrohliche Erkrankungen hervorrufen können. Kommt es zum Schleimhautkontakt, können diese übertragen werden – generell gilt: Je intensiver und länger der Kontakt, desto größer die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung.
Potentiell infektiöse Körperflüssigkeiten beim Geschlechtsverkehr sind:

• Scheidenflüssigkeit
• Sperma
• Blut (insbesondere Menstruationsblut)
• Darmsekret (Film auf der Darmschleimhaut)

Wie funktioniert Safer Sex?

Safer Sex wird oftmals in der öffentlichen Wahrnehmung lediglich auf die Verwendung eines Kondoms und somit auf den Vaginal- bzw. Analverkehr reduziert. Da es aber deutlich mehr sexuelle Übertragungswege von Krankheiten gibt, sollte Safer Sex bei jedweder Sexualpraxis angewendet werden.

Natürlich ist das Kondom nach wie vor die wichtigste und auch eine der sichersten Verhütungsmethoden. Ungeschützter Vaginal- oder Analverkehr ist einer der wesentlichen Übertragungswege für Krankheiten wie HIV oder andere Infektionen; ein Kondom kann das Risiko erheblich mindern.

Doch auch beim Oralverkehr können Krankheitserreger ausgetauscht werden. Findet der Oralverkehr mit Männern statt, kann das Ansteckungsrisiko ebenfalls durch die Verwendung eines Kondoms reduziert werden. Alternativ kann man versuchen, kein Sperma in den Mund gelangen zu lassen, was jedoch in der Praxis oftmals eher schlecht umsetzbar ist.

Anders beim Oralverkehr mit Frauen – hier ist die Verwendung von Dental Dams angeraten. Bei Dental Dams handelt es sich um Latextücher, welche über die Scheide der Frau gelegt werden und so die Aufnahme von Vaginalsekret oder Menstruationsblut verhindern. Diese, im Volksmund auch als Lecktuch bezeichnete, Verhütungsmethode, sollte mit wasserlöslichem Gleitgel angewendet werden; sind die Dental Dams einmal nicht zur Hand, können sie notfalls durch ein aufgeschnittenes Kondom oder auch durch Frischhaltefolie ersetzt werden.

Kommen beim Geschlechtsakt auch Sexspielzeuge zum Einsatz, sollte hierbei ebenfalls zur Sicherheit ein Kondom verwendet werden, welches sich in der Regel über die meisten Sex Toys problemlos überstülpen lässt.

Weist der Partner im Genitalbereich offensichtlich veränderte Hautstellen wie Bläschen, Rötungen oder Warzen auf, sollte der Kontakt mit diesen Stellen gemieden werden. Diese sind oftmals nicht nur erstes Symptom einer Geschlechtskrankheit, sondern können ebenfalls Infektionen wie HIV übertragen, insbesondere wenn die Haut nicht mehr intakt bzw. wund ist oder sogar blutet.

Warum ist Safer Sex wichtig?

Safer Sex dient in erster Linie dem Schutz vor der Ansteckung mit sexuell übertragbaren Krankheiten. Wer verhütet, schützt somit nicht nur sich und die eigene Gesundheit, sondern auch die der Partnerin/ des Partners. Doch darüber hinaus erfüllt Safer Sex noch viele weitere wichtige Funktionen innerhalb einer Partnerschaft: Verhütung gibt beiden Sexualpartnern ein Gefühl der Sicherheit, man kann gemeinsame Nähe teilen, ohne am „Tag danach“ von Ängsten, Sorgen oder Selbstvorwürfen gequält zu werden. Sexualität lässt sich somit im Rahmen gegenseitiger Fürsorge und Rücksichtnahme erleben, was insbesondere in festen Partnerschaften einen hohen Stellenwert hat.

Welche Geschlechtskrankheiten gibt es?

HIV gehört zu den wohl bekanntesten und gefürchtetsten sexuell übertragbaren Krankheiten überhaupt. Das HI-Virus wird durch Körperflüssigkeiten übertragen, jedoch ist die Anzahl der Erreger in Speichel, Tränen, Schweiß oder Urin für eine Übertragung zu gering. Anders jedoch bei Vaginalsekret, Sperma oder auch Blut: Hier besteht eine extrem hohe Infektionsgefahr, bereits bei kurzem Schleimhautkontakt kann das Virus weitergegeben werden. Dies gilt jedoch nicht nur beim Anal- oder Vaginalsex – auch wenn Sperma oder Scheidenflüssigkeit in den Mund gelangen, kann es zur Ansteckung kommen. Nach einer Infektion mit dem HI-Virus kann es zu unspezifischen Beschwerden wie leichten Grippesymptomen, Gliederschmerzen oder Hautausschlag kommen. Vielfach verläuft eine Infektion jedoch auch völlig unbemerkt.

In der Spätphase von HIV kommt es zum Ausbruch von AIDS. Die Krankheit schwächt das Immunsystem, die Betroffenen leiden hier nun unter sekundären Infektionskrankheiten wie Pilzbefall, Gürtelrose, aber auch Krebs oder Lungenentzündungen, welche zuletzt tödlich enden können. Zwar ist AIDS nach wie vor nicht heilbar; mittlerweile gibt es jedoch wirkungsvolle Medikamente, welche den Verlauf der Krankheit hinauszögern. Nach einem Risikokontakt sollte somit immer ein Arzt aufgesucht werden.

Ebenfalls sexuell übertragbar sind Formen der Hepatitis. Insbesondere die Hepatitis B, in einigen Ausnahmefällen auch Hepatitis C, können durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen werden. Hepatitis ist eine chronische Leberentzündung, welche unbehandelt zu einer Leberzirrhose führen kann und außerdem das Risiko für ein Leberkarzinom erhöht. Während es mittlerweile für Hepatitis-C-Infizierte gute Behandlungsmöglichkeiten gibt, gilt die Hepatitis B nach wie vor als nicht therapierbar. Hier kann man sich jedoch durch eine Impfung im Vorfeld schützen.

Weiterhin besteht bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr das Risiko an sexuell übertragbaren Infektionskrankheiten wie Feigwarzen, Syphilis, Chlamydien oder Tripper zu erkranken. Da viele dieser Geschlechtskrankheiten erst im späteren Verlauf diagnostiziert werden können, gilt auch hier: Vorsicht ist besser als Nachsicht!

Die wichtigsten Safer Sex-Regeln

Damit Safer Sex auch wirklich sicher ist, gilt es, einige Standardregeln beim Geschlechtsverkehr zu beachten:

• Beim eindringenden Geschlechtsverkehr – anal oder vaginal – muss immer ein Kondom verwendet werden

• Beim Analverkehr oder auch bei Scheidentrockenheit sollte immer fettfreies Gleitgel verwendet werden, um Verletzungen im Intimbereich oder auch Beschädigungen des Kondoms vorzubeugen. Dabei sollten jedoch nur speziell zu diesem Zweck hergestellte Gleitgels zum Einsatz kommen – beliebte „Alternativen“ wie Vaseline oder Massageöl zerstören nämlich Kondome!

• Beim Oralverkehr – mit Männern oder mit Frauen – sollte darauf geachtet werden, dass kein Sperma, Vaginalsekret oder Menstruationsblut in den Mund gelangen können

• Bei Beschwerden im Genitalbereich wie Jucken, Brennen oder Ausfluss sollte immer ein Arzt aufgesucht werden. Kann dieser eine sexuell übertragbare Infektion nachweisen, gilt es, den Partner zu informieren und vorerst vom Geschlechtsverkehr abzusehen. Nur so kann eine permanente gegenseitige Ansteckung, der besagte Ping-Pong-Effekt, verhindert werden.

• Insbesondere in festen Partnerschaften sind zwei Eigenschaften beim Safer Sex unerlässlich: Ehrlichkeit und Vertrauen. Sollte es trotz aller guten Vorsätze einmal zu einem Seitensprung mit ungeschütztem Sex gekommen sein, muss der Partner darüber informiert werden, um sich nicht unwissend einem großen Risiko auszusetzen

• Treten nach einem Risikokontakt (ungeschütztem Sex) Grippesymptome, Gliederschmerzen, Müdigkeit etc. auf, sollte sofort der Arzt aufgesucht werden.

Safer Sex – auch in festen Partnerschaften

Safer Sex ist somit kein Garant für absolute Sicherheit beim Geschlechtsverkehr, bietet jedoch bei Einhaltung der wichtigsten Regeln einen zuverlässigen Schutz vor den gängigsten sexuell übertragbaren Infektionskrankheiten und hilft zudem, ungewollte Schwangerschaften zu verhindern. Natürlich ist Safer Sex in erster Linie bei häufig wechselnden Sexualpartnern unerlässlich, kann jedoch auch in festen Partnerschaften beiden Beteiligten zunächst ein Gefühl von Sicherheit vermitteln und ist gleichzeitig ein Teil des verantwortungsvollen Umgangs miteinander.


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